„Du musst keine Angst haben, sagte die Frau lächelnd, ohne dabei zu lächeln. Das Kind weinte, doch ganz still. Schaute dabei aus dem Fenster des fahrenden Autos. Zitternd vor Angst.“ Gleich die ersten Zeilen des Buches geben einen authentischen Vorgeschmack auf das, was folgt.

Sophia ist gerade einmal zehn Jahre alt, als das letzte bisschen ihrer Welt aus den Fugen gerät. Der geliebte Bruder kann sie nicht vor dem Unheil bewahren. Und auch nicht ihre Großmutter, der es sonst immer gelang, den gewalttätigen Vater mit verzweifelten Mitteln zu besänftigen. Die wahre Brutalität des Mannes offenbart sich an Sophias letztem Morgen auf dem verwahrlosten Bauernhof.

Die Geschichte ist packend und bedrückend zugleich. Der nachfolgende Auszug macht deutlich, mit welchem Feingefühl und Detaillierungsgrad das Buch geschrieben ist. „Sophias Magen wendet sich. Sie will sterben. Ihr Körper verkrampft sich. Dann erbricht sie in die Wanne. Ein dünnes Rinnsal Magensaft vermischt sich mit dem Badewasser.“

Kampf gegen das schlimmste Verbrechen auf diesem Planeten

Aufmerksam auf die Thematik wurde der in Reutlingen lebende Autor in seiner Zeit als Schulsozialarbeiter an einer Schule, als er durch eine Statistik erfuhr, dass in Deutschland jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge sexuellen Missbrauch in irgendeiner Form erlebt haben. „Von da an ging ich mit einer veränderten Haltung in die Klassen“ so Zeh. „Ich habe gelesen, recherchiert und nach und nach wurde mir das Thema immer wichtiger.“ Er ergänzt: „Vater von drei Töchtern zu sein, hat wohl auch seinen Teil dazu beigetragen.“

Das Buch „Sophia“ ist die jüngste von insgesamt 14 Veröffentlichungen von Klaus Zeh. Auf die Frage, was ihn bewogen hat, dieses und weitere Bücher zu der Thematik zu schreiben, antwortet er: „Am meisten berührt mich, dass es um Kinder geht, deren Schutz unser höchstes Gebot sein sollte. Sie sind die Schutzlosesten unter den Menschen. Ihre sexuelle und arbeitskraftmäßige Ausbeutung halte ich für das schlimmste Verbrechen auf diesem Planeten und in diesem Zusammenhang auch den Kinderhandel. Es ist unsere Verantwortung, gegen solche Missstände und Verbrechen anzukämpfen.“

Aufmerksam machen, inspirieren, Impulse setzen

Mit seinen Büchern möchte Klaus Zeh auf den Handel mit Kindern und die vielseitigen Formen der Gewalt gegen sie hinweisen. “Ich möchte die Gesellschaft für diese fürchterlichen Dinge sensibilisieren, sie für meinen Kampf dagegen gewinnen. Diese Dinge geschehen nicht in sogenannten Parallelwelten, sondern mitten unter uns! Mit meinen Büchern möchte ich aufmerksam machen, inspirieren, Impulse setzen und im besten Falle zu Zivilcourage und zum Handeln aufrufen.“

Im Nachwort erfolgt der Hinweis, dass die fiktive Geschichte von Sophia kein Einzelfall ist und dass selbiges genau in diesem Moment, in dem wir dieses Buch lesen, einem Kind, mehreren oder sogar vielen Kindern widerfährt.

Mit dem Erlös seiner Bücher unterstützt Klaus Zeh Organisationen, die sich gegen Ausbeutung und Missbrauch von Kindern engagieren. Auf die BONO-Direkthilfe wurde er über das Internet aufmerksam. Nach einigen Gesprächen mit uns stand sein Entschluss fest: „Ich möchte eure Arbeit unterstützen, weil ich sie für großartig und wichtig halte.“

Sophias Geschichte beschreibt in allen Facetten, was sich hinter dem Wort Missbrauch verbirgt. Ein trauriges und bedrückendes Buch – und dennoch lesenswert.

ISBN: 978-3-7526-5909-2