Prävention von Diskriminierung und Ausbeutung
Die Arbeit unserer Partnerorganisation SOS Bahini 

Das neue Zuhause von SOS Bahini – das „Eco-Village“ – ist komplett fertig gestellt und alle Bewohnerinnen haben sich gut eingelebt. Mit neuem Schwung kann sich das Team um Radha Poudel und Raymond Lindinger nun um die eigentliche Arbeit unserer Partnerorganisation kümmern. Raymond Lindinger formuliert das so: „Das Hauptanliegen von SOS Bahini ist die Prävention schlimmster Formen von Diskriminierung und Ausbeutung sowie des Menschenhandels mit minderjährigen Mädchen und jungen Frauen“.

In Nepal ist die Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen, kulturell, traditionell und religiös bedingt, immer noch in der Gesellschaft fest verankert. Es geschieht nicht selten, dass Väter ihre Familien verlassen, wenn „nur“ Mädchen geboren werden. Auch Kinderheirat ist noch weit verbreitet. Viele Frauen und junge Mädchen treibt die Armut aus den meist abgelegenen Dörfern in die Städte und schließlich dort in die Elendsviertel. Ohne den familiären und wirtschaftlichen Schutz werden sie zu potenziellen Opfern von Ausbeutung und sexueller Gewalt.

Hier setzt die Arbeit von SOS Bahini an: Zurzeit leben 88 Mädchen zwischen 5 und 22 Jahren im „Eco-Village“ und verteilt auf die insgesamt 7 Familien, für die in der näheren Umgebung geeignete Wohnungen angemietet wurden. Diese Mädchen sind alle Waisen oder Halbwaisen, werden von Betreuerinnen liebevoll umsorgt, können zur Schule gehen und werden auch nachmittags und an den Wochenenden durch schulische und handwerkliche Kurse gefördert.

Die Zahl der zu betreuenden Mädchen ist in den letzten 10 Jahren ständig gestiegen. Viele haben erfolgreich eine Schulausbildung abgeschlossen. Dies stellt unsere Partnerorganisation vor neue Herausforderungen. Es gilt auch diesen jungen Frauen über die Schulzeit hinaus eine Perspektive zu ermöglichen. Das Projekt „Cross-Roads-House“ wurde ins Leben gerufen. Dies ist eine Wohngemeinschaft von zurzeit 19 jungen Frauen, die eine Berufsausbildung oder ein Studium absolvieren. SOS Bahini hilft bei der Stellen- und Studienplatzsuche und übernimmt die Unterbringungs- und Ausbildungskosten. In den nächsten 2 Jahren werden voraussichtlich weitere 33 Mädchen ihre Schulausbildung abschließen.

Die vorbildliche Arbeit hat sich mittlerweile herumgesprochen. Auch für einige hundert Kinder und Frauen, die nicht direkt betreut werden, ist SOS Bahini ein Ort der Hilfe geworden. Zu dieser Gruppe gehören alleinerziehende Mütter, die mit ihren Kindern in eigenen Unterkünften im Stadtgebiet von Pokhara leben, deren Einkommen aber nicht ausreicht, um die Kinder hinreichend zu versorgen und ihnen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Je nach Bedarf erhalten diese Familien Grundnahrungsmittel, Kleidung, Arzneimittel und Beratung in allen Lebensfragen. Zurzeit werden 17 solcher Familien versorgt. In einem neu gegründeten Ausbildungszentrum, dem sogenannten „Women-Skill-Development-Center“, erhalten junge Frauen eine Ausbildung, die es ihnen ermöglicht, in relativ kurzer Zeit Handarbeiten und Handwerkskunst aus natürlichen Materialien herzustellen. Es handelt sich um Auftragsarbeiten, deren Verkauf das Einkommen der Kursteilnehmer aufbessert.

Aus einer kleinen Organisation ist eine lokal sehr erfolgreiche und anerkannte Einrichtung geworden, die vielen Mädchen und jungen Frauen Geborgenheit, Ausbildung und Zukunft gibt.

Michael Müller-Offermann