Kekse im Monsun  

Teig wird geknetet, der Geruch frischer Kekse liegt in der Luft und erwartungsvolle Kinderaugen sind auf den Backofen gerichtet, aus dem bald das erste fertige Blech kommen wird. Es ist ein Bild, wie es in der Vorweihnachtszeit in vielen Familien in Deutschland zu finden ist. Doch diese Kekse werden mitten in Nepal gebacken, und die erwartungsvollen Kinderaugen gehören zu Sapana, Januka und den anderen Mädchen der Familie, die von der BONO-Direkthilfe e.V. im Rahmen des Familienhilfsprogramms von SOS Bahini unterstützt wird.

Es ist Juli 2010 und niemand denkt in Pokhara mitten in der Monsunzeit an Weihnachten. Aber die Atmosphäre ist genauso von Vorfreude geprägt, denn der Start des neuesten Projekts von SOS Bahini steht kurz bevor. Noch während alle darauf warten, endlich die ersten Kekse probieren zu können, geht vor der Tür ein kräftiger Monsunschauer nieder. »Bahini Café« steht in großen Lettern über dieser Tür, und das gemeinsame Backen ist Teil der letzten Vorbereitungen, bevor in wenigen Tagen nicht mehr die Kinder der Familienhilfsprogramms sondern die ersten Touristen an den Tischen des Café sitzen sollen und das neue Projekt von SOS Bahini damit offiziell beginnen soll. Neben Keksen und vielen anderen Leckereien, die in der angeschlossen Bäckerei selbst hergestellt werden, soll es dann auch Kaffeespezialitäten geben, an deren perfekten Zubereitung bis zuletzt gearbeitet wird. Und schon jetzt finden sich auf der Speisekarte an der Wand des frisch gestrichenen und liebevoll dekorierten Cafés viele kleine Gerichte und Snacks.

Doch das beste an diesem neue Café in ummittelbarer Nähe der Lakeside, dem Hauptanlaufspunkt für Touristen in Pokhara, findet sich nicht auf der Speisekarte sondern in den Gesichtern der Frauen, die nun bei der »Generalprobe« den Kindern endlich die ersehnten Cookies servieren. Sie alle kommen aus schwierigen Verhältnissen und werden meistens schon seit einiger Zeit von SOS Bahini betreut. Einige von ihnen leben in den Slumgebieten Pokharas, andere haben schwere Erfahrungen häuslicher oder sexueller Gewalt hinter sich. Die Vorbereitungen der letzten Wochen und die vielen Kurse und Workshops mit professionellen Bäckern und Köchen, denen bis zur endgültigen Eröffnung weitere folgen werden, haben sie zu einem Team zusammengeschweißt, und sie warten gespannt auf den Tag, an dem sie die ersten Touristen begrüßen können.

Aber bei dem Bahini Café geht es nicht nur darum, den Frauen und ihren Familien eine neue Perspektive zu eröffnen, sondern es soll vielmehr integraler Bestandteil der verschiedenen Projekte von SOS Bahini werden. So sollen das Café und die angeschlossene Bäckerei und Küche zukünftig gleichzeitig »Schulungszentrum« sein, in dem die Frauen ihre erworbenen Kenntnisse an andere Frauen weitergeben, die so die Chance erhalten, eine kleine Ausbildung zu durchlaufen und dann in andere Café, Hotels und Restaurants vermittelt werden können. Auch diejenigen Mädchen, die bei SOS Bahini oder in den Familien des Familienhilfsprogramms wohnen und nach ihrer Schulausbildung nicht studieren möchten, werde diese Gelegenheit erhalten und damit die Möglichkeit haben, sich ein unabhängiges Leben aufzubauen.

Darüber hinaus sollen durch das Bahini Café auch mehr Touristen auf die Arbeit der Organisation aufmerksam werden. Denn während die bittere Armut in Nepal allgegenwärtig ist, ist es nicht immer leicht innovative und unterstützenswerte Organisationen wie SOS Bahini zu finden.

„Wir müssen alles tun, um diese Mädchen und Frauen auch weiterhin zu schützen!“
Anuradha Koirala, Gründerin von Maiti Nepal