Reshma spricht über ihre Rettung 

Seit Jahren arbeitet die Rescue Foundation erfolgreich in Mumbai, Pune und Boisar. Da sich die Rotlichtviertel auch in Delhi enorm ausbreiten, entschloss sich die Rescue Foundation dort in diesem Jahr ein weiteres Büro zur Planung und Durchführung von Rettungseinsätzen zu eröffnen. Innerhalb kurzer Zeit konnten bereits 90 Mädchen befreit werden.

Die minderjährige Reshma wurde im August 2012 in Delhi gerettet. In einem Interview spricht sie kurz nach ihrer Rettung mit Nisha, einer Mitarbeiterin der Rescue Foundation.

Nisha: Wie heißt Du? Und wie alt bist du?
Reshma: Ich heiße Reshma und bin 14 Jahre alt.

Nisha: Wie lautet Deine Adresse?
Reshma: Yadgir District- Karnataka – und mein Vater wohnt in Pune.

Nisha: Wie viele Familienangehörige hast Du?
Reshma: Meine Mutter, mein Vater, meine Großmutter und mein Bruder und meine Schwester.

Nisha: Was macht Dein Vater?
Reshma: Er ist Arbeiter in Pune.

Nisha: Liebt Dein Vater dich?
Reshma: Nein, mein Vater hat mich immer geschlagen, wenn meine Mutter es ihm sagte.

Nisha: Hast Du Deinen Vater nie gefragt, warum er Dich schlägt?
Reshma: Ich habe meinen Vater oft gefragt, aber er hat mir nie zugehört.

Nisha: War Dein Bruder freundlich zu Dir?
Reshma: Ja, mein Bruder und meine Schwester lieben mich.

Nisha: Reshma, möchtest Du nach Hause?
Reshma: Nein, weil meine Mutter mich nicht mag, schlägt sie mich.

Nisha: Deine Mutter schlägt Dich, aber Deine Großmutter liebt Dich.
Reshma: Meine Großmutter ist zu alt und wird nur noch ein paar Jahre leben.

Nisha: Wie bist Du nach Delhi gekommen?
Reshma: Ich wurde gezwungen zu heiraten, und dann lief ich vom Haus meiner Schwiegereltern weg.

Nisha: Wo war das Haus Deines Ehemannes?
Reshma: Es liegt im selben Ort, in dem meine Familie wohnt.

Nisha: Wie bist Du in das Rotlichtviertel G.B. Road in Delhi gekommen?
Reshma: Ich traf eine Dame am Bahnhof von Pune. Sie sprach mich an, und ich erzählte ihr von mir. Ich erzählte ihr meine Geschichte, und sie nahm mich mit zu sich nach Hause. Sie bot mir einen guten Job in Delhi an. So bin ich dort hingekommen.

Nisha: Hat sie Dich alleine im Bordell gelassen?
Reshma: Sie verkaufte mich an den Bordellbesitzer und ging.

Nisha: Wusstest Du, was Du für eine Arbeit machen solltest?
Reshma: Ja, ich wurde zur Prostitution gezwungen. Ich weigerte mich zuerst, aber dann wurde ich unter Druck gesetzt, misshandelt und somit in den Sex- Handel gezwungen.

Nisha: Wie haben sie Dich im Bordell versorgt?
Reshma: Ich bekam eigenes Essen und Kleidung. Ich konnte einen Teil meines verdienten Geldes behalten.

Nisha: Hat Dich der Bordellbesitzer misshandelt?
Reshma: Nein, er hat mir nur immer neue Kunden gebracht.

Nisha: Wie viele Kunden kamen jeden Tag zu Dir?
Reshma: Ich hatte meist vier bis fünf Kunden jeden Tag.

Nisha: Wie hat die Rescue Foundation Dir bei der Flucht aus dem Bordell helfen können?
Reshma: Eines Tages kam ein ‘falscher Kunde’ zu mir. Ein verdeckter Ermittler der Rescue Foundation besuchte das Bordell. Ich bat ihn um Hilfe. Dann kamen Polizisten und Mitarbeiter von der Rescue Foundation. Sie führten die Rettungsaktion durch, und ich wurde befreit und zum staatlichen Schutz- und Versorgungszentrum gebracht.

Nisha: Was möchtest Du in Zukunft tun?
Reshma: Ich möchte lernen und etwas werden, damit ich ein eigenständiges Leben führen kann.

Nisha: Was denkst Du über die Rescue Foundation?
Reshma: Ich verdanke der Rescue Foundation, dass sie mir geholfen hat und ich aus dem Bordell gerettet worden bin, und dass ich nun ein Leben nach meinen Wünschen leben und zurück in die normale Gesellschaft kann.

„In dem Augenblick, in dem ich von einem Mädchen in einem Bordell erfahre, spüre ich die Kraft und Entschlossenheit in mir, dieses Mädchen schnellstmöglich zu befreien!“
Triveni Acharya, Präsidentin der Rescue Foundation