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|  | Deepak Adhikari arbeitet als Journalist für Kantipur Publications, den größten Medienkonzern Nepals, und betreibt sein eigenes Blog »Deepak's Diary«. Für uns berichtet er in einem aktuellen Beitrag über die Hintergründe des Friedensprozesses in Nepal und die Perspektive eines »Neuen Nepals«. |
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Vor nicht allzu langer Zeit nahm ich an einer Diskussionsrunde zur Rolle junger Akademiker beim Aufbau des »Neuen Nepal« teil. Momentan ist dies Gesprächsthema in jedem Teil der nepalesischen Gesellschaft. Das Thema, oder besser: dieser Enthusiasmus kam auf, nachdem im April 2006 durch einen Aufstand die königliche Regierung gestürzt und durch eine Regierung ersetzt wurde, die von einer Allianz aus sieben Parteien gebildet wird.
Innerhalb des Programms äußerten verschiedene junge Leute ihre Bedenken und machten eine Reihe von Vorschlägen in Verbindung mit dem viel besprochenen »Neuen Nepal«. Ein junger, glatt rasierter Lehrer stand auf und beschwerte sich über die Einstellung talentierter und gut ausgebildeter Studenten, die den Lehrerberuf nicht mehr als eine attraktive Tätigkeit empfänden. Ein jugendlicher Arzt verdeutlichte, dass sich sehr wenige seiner Kollegen der politischen Umstände des Landes bewusst seien.
Wir Journalisten behaupten oft - stolz auf unseren Beruf - den Stimmlosen eine Stimme zu geben. Trotzdem wurde mir dort und in diesem Moment klar, dass es für uns mehr Anlass zu Ängsten und Sorgen gibt, als für Angehörige der meisten anderen Berufe. Journalist in Nepal zu sein ist eines der schwersten Dinge in einem Land, das zwischen den zwei asiatischen Giganten China und Indien liegt.
Der 1. Februar 2005 war solch ein harter Tag. Während König Gyanendra im staatlichen nepalesischen Fernsehen eine Rede vortrug, übernahmen bewaffnete Soldaten die Kontrolle über die Medienanstalten, inklusive der Kantipur Publications, wo ich arbeite.
Doch wie die Tage aller Despoten der Welt, so waren auch die König Gyanendras gezählt. Das Zwölf-Punkte-Abkommen zwischen den Maoisten (die für eine Volksrepublik kämpfen) und der Sieben-Parteien-Allianz (die an eine parlamentarische Demokratie glauben) vom 22. November 2005 ebnete den Weg für die friedliche Erhebung im April 2006. Die Nepalis hungerten 19 Tage in Folge, und sie kämpften mit andauernden Protesten gegen die Autokratie des Königs.
Die Freude der Freiheit und das Gefühl, diese endlich gewonnen zu haben, strahlte aus den Gesichtern der ganz normalen nepalesischen Bürger, die eine Dekade der maoistischen Auflehnung hatten erdulden müssen. Und dies, obwohl diese Menschen in Nepal jeden Tag sowieso mit außergewöhnlichen Problemen fertig werden müssen. Das Land ist gezeichnet von akuter Armut, erschreckender Umweltverschmutzung, einem unzureichenden Gesundheitssystem, erheblicher Trinkwassernot und vielem mehr.
Inmitten der Gespräche über das »Neue Nepal« grübele ich oft über das Schicksal von über 2,6 Millionen Straßenkindern, von mehr als zehntausend Mädchen, die jedes Jahr nach Indien verschleppt werden. Die Jugend dieser Menschen wird grausam zerstört.
Doch nicht nur Kinder, Frauen und die Madhesi, die Menschen die im Terai, der Tiefebene im Süden Nepals leben, sondern auch wir Journalisten, die wir eigentlich als ein privilegierter Teil der Gesellschaft angesehen werden, hatten keine Gelegenheit eine Atempause der Erleichterung ob der geglückten Erhebung des Volkes einzulegen. Denn während einer kürzlichen Welle der Gewalt im Terai wurden einige Journalisten gezwungen, die Gebiete, aus denen sie berichten, zu verlassen.
Ein paar renitente Gruppen versuchten diesen unerschrockenen Schreibern Schwierigkeiten zu machen, weil diese ihrer Sache angeblich zu wenig Rückendeckung gäben. Diese Gruppen erkannten nicht, dass es nicht die Schuld der Journalisten war, welche nur die Fußtruppen der Medienanstalten sind, die aus der relativ sicheren Hauptstadt Kathmandu operieren.
Vor einigen Monaten reiste ich mit einem Pick-Up, der täglich Zeitungen in den Osten Nepals ausfährt, durch das Terai. Das Fahrzeug wurde von einer Kugel einer der aufständischen Gruppen getroffen. Der Fahrer des Autos bekam später, auf der Feier zum 14. Geburtstag von Kantipur Publications, eine Auszeichnung für seinen Mut.
Es gibt also viele Probleme. Aber wie das Sprichwort sagt: Es gibt einen Silberstreifen an jedem Horizont. Wir sind verpflichtet, Nepal in einen Staat zu verwandeln, in dem die Menschen nicht dazu gezwungen sind, ein trauriges Leben zu führen. Bildung ist meiner Meinung nach der Schlüssel zu einer fortschrittlichen Gesellschaft. Wenn der Staat und die Interessengruppen Ressourcen für benachteiligte Kinder zur Verfügung stellen, können diese ihre Ausbildung weiterführen. Und dies wird ihnen neue Möglichkeiten eröffnen.
Leider ist Nepal eine junge Nation (ein Großteil der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt) geführt von alten Herrschern (die Mehrheit der politischen Führer ist über 50 Jahre alt). Sie erkennen diesen Sachverhalt nicht, und das größte Problem der Politik ist dieser Mangel an Einsicht. Die Jugend ist der Fackelträger einer jeder Bewegung, sei es die aus dem April 2006, oder die des Frühjahrs 1990. Ihre Themen wie Arbeitslosigkeit oder mangelnde Bildungschancen werden trotzdem nicht besprochen. Ein zweites Problem ist, dass eine bestimmte Elite das Land schon seit Jahren regiert. Es ist dringend notwendig, dass diese die Macht aufgibt und sie endlich an die Benachteiligten abgibt.
Eben dieser Punkt der Einbeziehung muss der Kernpunkt des Programms des »Neuen Nepal« sein. Was zur Beteiligung der Minderheiten dringend nötig ist, muss in deutlichen Worten klargemacht werden. Außerdem muss der Staat auf allen Ebenen in die Verantwortung hierfür genommen werden. Die Täter, die verantwortlich sind für das Blutbad und den Versuch der Unterdrückung der Erhebung des Volkes im April 2006 müssen hinter Schloss und Riegel. Andernfalls wäre dies ein Beispiel der Straflosigkeit, welches erneut zu politischen Unruhen führen würde - eine Verzögerung, die für ein Entwicklungsland wie Nepal untragbar erscheint.
Viertens, und vor allem, muss jeder Bürger erkennen, dass er oder sie seinen Beitrag beim nationalen Aufbau leisten muss. Ich als Journalist muss mich meinem Beruf widmen. Es gilt, Menschen zu informieren, und ich werde daran mit Begeisterung festhalten. So vieles ist zu tun in Nepal. Wir müssen als erstes unsere Prioritäten klären. Aktuell ist es wichtig, politische Stabilität zu erreichen. Darüber hinaus müssen wirtschaftliche Reformen und die Entwicklung der Infrastruktur folgen. Wir können nicht länger apathisch bleiben.
Wir versuchen häufig, unsere Rückständigkeit mit geografischen und kulturellen Gründen oder einem Mangel an Ressourcen zu erklären. Es gibt jedoch Länder, die diese Probleme gelöst und einen Schritt nach vorne getan haben. Es ist höchste Zeit, und wir haben unser Potenzial erkannt. Es liegt in unserer Jugend, unserem Optimismus, unseren neu errungenen Freiheit, demokratischen Institutionen sowie einer beeindruckenden Fähigkeit sich zu versöhnen (wo sonst findet man schwer bewaffnete Guerillas und auf der Straße marschierende Parteien, die für eine politische Lösung zusammenkommen?). Entweder es geschieht jetzt etwas, oder nie!
Copyright: Deepak Adhikari
Übersetzung: Britta Krings
Deepak's Diary - Das Blog von Deepak Adhikari.