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03.12.2009
»Wir können ihnen ihre Zukunft zurückgeben!«

Kommerzielle sexuelle Ausbeutung und Sextourismus haben in Nepal in den letzten Jahren in erschreckendem Ausmaß zugenommen. Die Mädchen und Frauen, deren Alltag von Gewalt und Missbrauch geprägt ist, brauchen jetzt Ihre Hilfe für eine Chance auf ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben.

Es gibt hunderte, ja tausende minderjährige Mädchen, die tagtäglich gezwungen werden, ihren Körper zur Befriedigung von Männern herzugeben. Betroffene berichten, dass sie gezwungen werden, bis zu 30 Freier pro Tag zu empfangen. Schon für 100 bis 200 Indische Rupien, umgerechnet 1,50 bis 3 Euro, ist ein Mädchen zu haben. Das Geschäft boomt. Aufgrund der Angst vor HIV/AIDS steigt die Nachfrage vor allem nach jungen Mädchen. Über 70 Prozent der Mädchen und Frauen, die länger als sechs Monate in der Prostitution verbringen müssen, sind HIV-positiv.

Thamel, das Touristenviertel Kathmandus, ist mit seinen guten und günstigen Unterkünften, den vielen Cafés und Restaurants und den zahllosen Trekkingagenturen und -geschäften ein Anziehungspunkt für viele Nepal-Urlauber. In den Supermärkten werden sogar importierte Gummibärchen angeboten, die soviel kosten, wie manche Nepalis am Tag zum Leben zur Verfügung haben. Waren bisher das immerwährende Verkehrschaos in den engen Straßen und die manchmal allzu aufdringlichen Straßenverkäufer die schlechtesten Seiten Thamels, hat sich in den letzten Jahren das Gesicht des Viertels gewandelt. Inzwischen ist klar: Auch Mädchen und Frauen sind zu einer Ware geworden, die hier verkauft wird.

Spätestens wenn es dunkel wird, ist diese Entwicklung unübersehbar: Überall flackern die Neonlichter der Dance Bars, die es inzwischen an jeder Ecke gibt, und die, genauso wie die unzähligen Massage Parlours, kaum mehr als eine schlechte Tarnung für die sich stark ausbreitende Prostitution sind. Selbst tagsüber werden Touristen angesprochen: »Want meet girl?«, flüstern ihnen Zuhälter oder von diesen bezahlte Straßenjungen in gebrochenem Englisch zu. Folgt man ihnen, gelangt man in Bordelle, die in Nebengassen oder Hinterhöfen versteckt und nicht erkennbar sind. Viele der Mädchen und Frauen, die man hier treffen kann, sind erschreckend jung. Oft kaum 14, 15 Jahre alt, stammen die meisten von ihnen nicht aus Kathmandu, sondern aus oft weit entfernten Dörfern. Bittere Armut und die Hoffnung auf gute Jobs haben viele von ihnen nach Kathmandu getrieben. Doch ohne gute Schul- oder Berufsausbildung gibt es keine guten Jobs, und so stellt die Sexindustrie immer wieder die einzige Möglichkeit dar, um überhaupt Geld zu verdienen. Einmal gefangen im Alltag aus Gewalt und Missbrauch, gibt es kaum eine Chance, wieder einen Ausweg zu finden.

Ihr Schicksal ist deutliches Zeichen einer paradoxen Entwicklung. Denn während die langsame Modernisierung Nepals zu mehr Bildungschancen und Freiheiten für Mädchen und Frauen aus gehobenen Schichten führt, leiden diejenigen, die aus armen Verhältnissen kommen, in einer immer noch durch und durch hierarchischen und patriarchischen Gesellschaft besonders unter den neuen Formen der Ausbeutung, die die Sexindustrie mit sich bringt. Hinzu kommt, dass die seit dem Friedensabkommen von 2006 deutlich steigenden Touristenzahlen auch mit einem starken Anstieg von Sextourismus einhergehen. Damit ist klar, dass inzwischen nicht mehr nur Menschenhandel und Zwangsprostitution, sondern vor allem auch kommerzielle sexuelle Ausbeutung und Sextourismus eine Gefahr für die Rechte und die Würde von Mädchen und Frauen in Nepal sind.

Mit dem Projekt Respect hat die BONO-Direkthilfe e.V. zusammen mit der nepalesischen Fotografin NayanTara Gurung Kakshapati im letzten Jahr die Situation der Mädchen und Frauen in der Sexindustrie Nepals dokumentiert. Darüber hinaus unterstützen wir seit 2009 ein Pilotprojekt unserer Partnerorganisation SOS Bahini, um Mädchen und Frauen zu helfen, die Sexindustrie zu verlassen. Doch die erschreckende Entwicklung, die der Economist mit der Schlagzeile »From treks to sex« auf den Punkt brachte, macht dringend weitere Projekte nötig, die wir mit der Weihnachtsaktion 2009 unterstützen wollen.

»Sie sind noch Kinder!«, fasst Anuradha Koirala, Gründerin und Leiterin von Maiti Nepal die bedrückende Wahrheit in Worte. Denn den vielen Mädchen, die noch nicht einmal 18 Jahre alt sind, und die in Thamel ihre Körper verkaufen müssen, muss besonders dringend geholfen werden. Hierzu will Maiti Nepal ein so genanntes Half-Way Home einrichten. Zunächst sollen 20 Mädchen aus den Bordellen Thamels befreit und hier untergebracht werden. Sie sollen bewusst nicht in dem Schutz- und Rettungszentrum Maiti Nepals aufgenommen werden, um die Gelegenheit zu erhalten, gemeinsam mit einer Hausmutter und einer kleinen Gruppe Mädchen zu leben, die ihre schrecklichen Erfahrungen teilen. Das Half-Way Home soll ihr neues Zuhause werden, wo sie dank ärztlicher und psychologischer Betreuung ihre Erlebnisse überwinden können und durch eine Schul- oder Berufsausbildung eine Chance auf ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben erhalten. Anuradha Koirala macht deutlich, wie wichtig dieses Projekt ist: »Wir können ihnen ihre Zukunft zurückgeben!«

Das ist auch das Ziel eines Projekts von Raksha Nepal, einer neuen Partnerorganisation der BONO-Direkthilfe e.V. Die 2004 gegründete Organisation, die sich für die Mädchen und Frauen in der Sexindustrie Nepals und deren Kinder einsetzt, benötigt dringend Unterstützung, um ebenfalls zunächst 20 Mädchen, die noch bis vor kurzem in Dance Bars, Massage Parlours oder Bordellen arbeiten mussten, eine Schulausbildung zu ermöglichen. Menuka Thapa, Gründerin und Präsidentin von Raksha Nepal, hat selbst Erfahrungen in den traditionellen Dohori-Restaurants Nepals gemacht, in denen sexuelle Belästigung zum Alltag gehört. Umso entschlossener ist sie heute, Mädchen und Frauen in ähnlichen Situationen zu helfen.

Bei der Weihnachtsaktion 2009 geht es darum, den Mädchen, die von kommerzieller sexueller Ausbeutung und Sextourismus betroffen sind, ihre Zukunft zurückgeben. Bitte helfen Sie mit und unterstützen Sie die Arbeit von Maiti Nepal und Raksha Nepal!

Dieser Text wird von Stephan Weber und der BONO-Direkthilfe
e.V. unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.
Lesen Sie auch den Projektbericht 2009 zu Maiti Nepal »Bus für Bus«.

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Ihre Hilfe
Übernehmen Sie die Kosten für die Hausmutter des Half-Way Home!
Kosten: 60 Euro pro Monat / 720 Euro pro Jahr
 
Ermöglichen Sie einem Mädchen eine Schul- oder Berufsausbildung!
Kosten: 15 Euro pro Monat / 180 Euro pro Jahr
 

Bitte helfen Sie - auch mit einem Teilbetrag!
 
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In »Vor Ort - Berichte aus Südasien« veröffentlicht die BONO-Direkthilfe e.V. Beiträge von Menschen aus Südasien zu gesellschaftlichen, politischen und sozialen Problemen in den Ländern der Region. Erfahren Sie mehr über die Situation vor Ort und darüber, wie wichtig Ihre Hilfe ist!