From treks to sex - mit dieser Schlagzeile brachte der Economist den Besorgnis erregenden Trend der letzten Jahre auf den Punkt. War Nepal bis vor kurzem vor allem ein Ziel für Rucksacktouristen, die sich auch von der instabilen politischen Situation nicht abschrecken ließen, erlebt das Land seit dem Friedensabkommen vom Herbst 2006 einen touristischen Boom mit erschreckenden Nebeneffekten. In Thamel, dem Touristenviertel Kathmandus, reiht sich neuerdings Dance Bar an Dance Bar, und die unzähligen Massage Parlours sind kaum mehr als eine schlechte Tarnung für die sich ausbreitende Prostitution. Straßenjungen, vor einigen Jahren noch mit dem Verkauf billiger Andenken beschäftigt, sprechen nun im Auftrag von Zuhältern in gebrochenem Englisch männliche Touristen an:
»Want naked dance?«, »Want meet girl?«
Viele der Mädchen und Frauen, die man so in den Dance Bars, den Massage Parlours und den billigen Gästehäusern in kleinen Nebengassen Thamels treffen kann, sind erschreckend jung. Die meisten von ihnen stammen nicht aus Kathmandu, sondern aus oft weit entfernten Dörfern. Es sind immer wieder ähnliche Geschichten, die sie erzählen: Einige haben ihr zuhause noch während des Bürgerkrieges verlassen, aus Angst, von den Maoisten zwangsrekrutiert zu werden. Manche sind weggelaufen, um nicht gegen ihren Willen verheiratet zu werden, andere sind vor ihren gewalttätigen Ehemännern geflohen.
Vor allem aber ist es bittere Armut, die viele Mädchen in die Hauptstadt treibt. Aber gute Jobs sind rar und wer, wie die meisten von ihnen, höchstens zwei, drei Jahre zur Schule gegangen ist, hat kaum eine Chance einen solchen zu finden. So werden sie zur leichten Beute für die Sexindustrie und ihr Traum von einer besseren Zukunft ein schrecklicher Albtraum.
So ähnlich die Geschichten sind, so tieftraurig ist jedes einzelne Schicksal. Die jungen Mädchen, die in der traditionellen Enge kleiner Dörfer aufgewachsen sind, in die meistens noch nicht einmal Fernsehen Einzug gehalten hat, können es kaum fassen, nun vor Gruppen gaffender Männer tanzen oder ihren Körper etliche Male am Tag für ein paar Rupien verkaufen zu müssen. Immer tiefer versinken sie in einem von Ausbeutung, Gewalt und Hoffnungslosigkeit geprägten Alltag.
Es gibt keine verlässlichen Schätzungen, wie viele Mädchen und Frauen in Nepal von kommerzieller sexueller Ausbeutung und Sextourismus betroffen sind. Doch neben einer steigenden Zahl von Touristen besuchen auch viele nepalesische Männer ganz selbstverständlich zum Beispiel die Dance Bars, die längst nicht mehr nur in Thamel zu finden sind. Dennoch ist die Sexindustrie Nepals noch weit davon entfernt eine solche Dimension wie beispielsweise die in Kambodscha oder Thailand erreicht zu haben. Doch die Alarmsignale sind deutlich, und sie machen klar, dass es dringend Zeit ist, zu handeln. Deswegen hat die BONO-Direkthilfe e.V. zusammen mit der nepalesischen Fotografin NayanTara Gurung Kakshapati das Projekt Respect initiert, um die Situation von Mädchen und Frauen in der Sexindustrie Nepals zu dokumentieren. Darüber hinaus werden wir ab 2009 in einem ersten Schritt mit unserer neuen Partnerorganisation SOS Bahini ein Pilotprojekt ins Leben rufen, um Mädchen und Frauen zu helfen, die Sexindustrie zu verlassen. Mit Ihrer Spende können auch Sie dazu beitragen, dass statt Ausbeutung und Gewalt wieder Respekt und Würde ihr Leben prägen.
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Dieser Text wird von Stephan Weber und der BONO-Direkthilfe e.V. unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. |  |
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